Worauf Sie beim Vertrieb von Waren und Dienstleistungen achten sollten

 

Kostenfaktor Warenursprung

Claudia Feusi

Nicht nur Beschaffungsstrategie, Lieferantenwahl und die entsprechenden Produktionsstandorte, sondern auch der Warenursprung und damit einhergehende Zollabgaben beeinflussen den Verkaufspreis von Produkten. Wie zeitgemässe Präferenzkalkulation die Marge optimieren kann.

Das Netz der Schweizer Freihandelsabkommen begünstigt nicht nur das Wachstum, sondern auch die Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts. International tätige Schweizer Unternehmen profitieren durch den Bezug von Waren innerhalb von Freihandelszonen und von sogenannter Präferenzabfertigung, von direkten Zollreduktionen oder gar von Zollbefreiung.

Nicht automatisch ausgelöst
Eine Präferenzabfertigung erfolgt jedoch nicht automatisch. Massgebend sind genau definierte Warenursprungsnachweise, die bei der Wareneinfuhr vorliegen müssen.
Das Erstellen dieser Nachweise ist aber nur möglich, wenn die in den jeweiligen Freihandelsabkommen definierten Ursprungskriterien erfüllt werden. Denn präferenzberechtigt, will heissen «zollbegünstigt», sind ausschliesslich Waren, die über diesen präferenziellen Warenursprung (zum Beispiel Schweiz oder Freihandelszone) verfügen.

Kostenfaktor Warenursprung
Aufgrund von internationalisierten Wertschöpfungsketten ist es aber nicht immer einfach, den Warenursprung eines Produktes festzulegen. Kauft ein Unternehmen Roh und Halbfabrikate im Ausland ein und verarbeitet diese zu einem neuen Produkt, beispielsweise zu einer Maschine, so ist der Warenursprung des Produktes nicht automatisch definiert und muss zuerst festgelegt werden. Dazu sind unter anderem Wertschöpfungskriterien und der genaue Ursprung der Vormaterialien wie Stahl oder einzelne Bauteile – also der Ursprung der durch die Einkaufsabteilung beschafften Ware mass gebend. Werden die einzelnen Bauteile so beschafft, dass beim Verkauf der gefertigten Maschine kein Importzoll (Abgabebetrag von 0% bis zu 40% des Warenwerts) anfällt, dann hat das Unternehmen seine Wert- schöpfungskette im Hinblick auf Zollabgaben im Griff. Nicht nur die Beschaffungsstrategie, die Wahl der Lieferanten und des Produktionsstandorts beeinflussen den Verkaufspreis, sondern auch der Warenursprung und
entsprechende Zollabgaben.

Aber aufgepasst
Der Warenursprung im Rahmen von Freihandelsabkommen unterscheidet sich jedoch von weiteren Herkunftsangaben wie «Swissness». Die Praxis zeigt, dass diese Formen des Warenursprungs oft verwechselt werden. Für die Geltendmachung von Zollreduktionen sind einzig die in den Freihandelsabkommen festgelegten Ursprungskriterien massgebend. Soll beim Export der erwähnten Maschine im Käuferland kein Zoll anfallen, sind die eingesetzten Vormaterialien und deren Warenursprung sowie die Wertschöpfung mittels Stückliste zu ermitteln. Anschliessend kann die Präferenzkalkulation anhand des anwendbaren Freihandelsabkommens stattfinden. Werden die Kriterien erfüllt, können die notwendigen Ursprungsnachweise erstellt werden. Dieser Prozess bedingt fundiertes Fachwissen, schnittstellenübergreifende Zusammenarbeit, gut gepflegte Stammdaten und, je nach Komplexität, ein ausgeklügeltes Kalkulationssystem. Hohe Margen können dabei einen vereinfachenden Beitrag leisten.

Treffen Sie Claudia Feusi an der Tagung Recht im Vertrieb 2018.